Der Tag war wundervoll, sonnig aber kalt, nicht wie der Tag zuvor, wo 15 cm
Neuschnee in Toronto und London gefallen sind. Ich kam etwa 30 Minuten zu spät
und es hatte sich bereits eine lange Schlange vor der Tür des Geschäftes
gebildet. Ich entschied mich, nicht nach einer Toilette zu suchen, sondern mich
sofort der Schlange von Leuten mit Samurai-Schwertern anzuschließen. Ich hatte
nicht vergessen, wie es war, als ich bei der „Chiller-Expo“ in New Jersey vier
Stunden anstand und nichts dabei herauskam. Dieser Event hier war aber sehr gut
organisiert und wurde von einer Anzahl von Mitarbeitern betreut. Trotz all dem
brauchte ich über eine Stunde um die Tür zu erreichen, an der immer nur zwei
Personen gleichzeitig eingelassen wurden. Trotzdem war die Wartezeit in Ordnung.
Eine Reihe von Geschäfte blockte den Wind, die strahlende Sonne wärmte unsere
Gesichter und die Menschen um mich herum, waren alle sympatisch.
Zuerst war David von Bildschirmen verdeckt. Nachdem ich aber, um eine Ecke, zu
einer neuen Schlange dirigiert wurde, habe ich ihn schließlich gesehen. Er saß
lächelnd da, war lebhaft und saß mit dem Rücken zum Laden. Ich war so
schüchtern, dass ich jedes Mal meinen Blick senkte, wenn David die wartenden
Leute begutachtete. Bedauerlicherweise hatte ich dann nicht den Mut David zu
fragen, ob er sich mit mir ablichten lässt. Und unglücklicherweise ist nur eines
der zwei gemachten Bilder am Tisch gut geworden. Während ich wartete,
interviewte eine junge Frau David. Als das Interview beendet war machte er den
„Faust in offene Hand“ Shaolin-Gruß. Das war eine Überraschung; ich dachte der
Gruß wurde nur für seine Rolle als Caine verwendet. Es schien eine passende
Geste für die momentane Situation zu sein. Ich konnte mir nicht helfen und
musste ein bisschen lächeln. David, der selbst ein wenig gelächelt hat, während
er grüßte, warf einen Blick in die Richtung in der wir Wartenden standen. Ich
spürte so etwas wie einen Augenkontakt als er kurz von Person zu Person sah, und
dieses mal war ich in der Lage standfest zu bleiben.
Ich hätte es vorgezogen noch etwas mehr Zeit zu haben um mich zu sammeln, viel
zu früh musste ich die bedeutenden Schritte machen - und stand alleine direkt
vor David. Als ich ankam sagte ich „Ich bin von einem Fan-Club“. Es war nicht
das „Hallo, ich fand Sie in Kill Bill großartig“, was ich eigentlich vorhatte zu
sagen. Ich legte das Schwert auf den Tisch und reichte ihm eine Kopie des
„Alisa“-Buches zum Unterschreiben (ein Geschenk für sie von mir). Dann gab ich
seinem Agenten das „Hamburg“-Buch, das schließlich als ein Geschenk für David
gedacht war. Beide Bücher bestehen aus einigen Seiten die jeweils einem
individuellen Fan-Club-Mitglied gewidmet sind. Bei jedem dieser Mitglieder-Foto
steht das Datum, der Ort und eine passende Überschrift zum jeweiligen Treffen.
Ich hoffte, damit die Fans, für David etwas realer werden lassen.
David nahm das Alisa-Buch aus meiner Hand und betrachtete langsam jede Seite.
Ohne aufzusehen fragte er, ich zitiere „Haben diese Leute das an Sie geschickt?“
Ich erwartete, dass David eine dröhnende theatralische Stimme hat, stattdessen
sprach er leise und eindringlich, wie Caine. Dies machte mich auf unbequeme
Weise darauf aufmerksam wie laut meine eigene Stimme ist. Ich antwortete so
etwas wie „ja, und ich habe auch ein Hamburg-Buch für Sie“. Dann fragte ich mich
ob er denkt, dass ich eine kleine alte Frau bin deren Hobby Cyberstalking ist.
Erst später wurde mir bewusst, dass ich nicht die erste nervöse Person in seiner
Nähe war.
Sein Agent, der das Hamburg-Buch ansah, begann zu lachen. Er betrachtete das
Foto auf dem er und David gerade herumwitzelten und mochte die Bildunterschrift
„David und Mr. Money hatten viel Spaß“. Silke erfand diesen Spitznahmen für ihn,
den ich raffiniert fand und mit ihrer Erlaubnis benutze. So wie ich mich
erinnere hat David, als ihm das Bild gezeigt wurde, leise geantwortet „na,
schließlich bist du ein lustiger Kerl“. (Deshalb glaube ich auch, dass sich die
Beiden gut verstehen und dass sie oft zusammen gelacht haben.) Dann folgte eine
kurze Diskussion der Veranstaltungen in Deutschland und David bekam das
Hamburg-Buch. Als er ein Bild von Lea sah, auf dem sie „Kwai Chang Bear“ hielt
(ein handgemachtes Geschenk) sagte er spontan, dass den Teddy Bär jetzt eines
seiner Kinder hat. (Ich denke, seine exakten Worte waren „ah ja, der Bär, ich
habe ihn meiner sechs Jahre alten Tochter gegeben“.) Ich war erfreut das zu
hören, Lea hatte mich gebeten herauszufinden was mit dem Geschenk passiert war.
Ich antwortete mit „gut“. Was David gerade plötzlich gesagt hatte brachte mich
dazu ihn mehr zu mögen. Sein Kommentar drückte seine Rücksicht und
Aufmerksamkeit aus, Schätzung statt Ignoranz, und mir wurde klar, dass es ihm
bestimmt eine Freude gewesen sein muss, den Bär seinem Kind zu geben.
Da David kürzlich geheiratet hat, lehnte ich mich vor, senkte meine laute Stimme
und sagte ihm, „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Hochzeit“. Ich dachte es wäre
nett, Wohlwollen für seine gute Zukunft auszudrücken. Er sah immer noch das
Hamburg-Buch an und fragte: „Was?“ Sein Agent wiederholte ihm die Worte. (Obwohl
Mr. Money mir nicht so nahe war wie David, war meine „leise“ Stimme, wie immer,
sehr gut zu verstehen.) Mir wurde dann bewusst, dass ich anfing zu schwatzen,
und dass da eine Schlange wartender Leute war, von denen die Meisten
möglicherweise jedes Wort von mir hören konnten. Ich begann mein frisch
unterschriebenes Schwert zu nehmen und zu gehen und ich hoffe ich sagte
„Dankeschön“ – Mannieren gehen manchmal verloren wenn man gerade emotional auf
einem hoch ist.
Mr. Money erinnerte mich an etwas, was ich in meiner Eile ganz vergessen hatte -
ein unterschriebenes Bild des Filmes „The Long Riders“. Auf dem Bild ist David
mit seinen Brüdern Keith und Robert zu sehen. Zusammen stellen sie die
Younger-Brüder da, eine legendäre Bande von notorischen Wild-West-Bankräubern in
Kansas City, wo ich als Kind zu Hause war. Als Kinder spielten meine Brüder und
ich „Cowboys“, manche von uns spielten die Younger-Brüder, die bösen Buben
(besonders Cole, weil wir seinen Namen mochten). David spielte in diesem Film
Cole Younger, er hatte lange, raue Haare, einen mürrischen Blick und außerdem
trug er einen großen Schnurrbart. Er war hier sicher nicht gerade eine
Schönheit, aber deshalb mag ich das Bild. Die legendären Personen der alten
Zeiten waren selten Hollywood-Schönlinge.
Ich verließ den Bereich so aufgeregt und glücklich, dass mir der Foto-Mann
nachrennen musste, weil ich meine Kamera vergessen hatte. Ich hatte den ganzen
restlichen Tag über überhaupt keinen Hunger mehr. Das hat mich überrascht, ich
dachte ich würde mich normaler fühlen. Nun, es zeigt letztendlich, wie eine
Mittwoch-Nachmittagsvorstellung dazu beitragen kann dein Leben zu beleben.
Quentin, Uma, und ganz besonders „Bill“ - Ich liebe Euch! Ich schätze, dass ich
David zu dieser Liste hinzufügen sollte, er gab uns, den Fans, so viel.
Als letztes möchte ich allen Menschen danken, die mir ihre Bilder geschickt
haben und mir dadurch mit meinem Projekt geholfen haben. Das sind - in der
gleichen Reihenfolge wie David sie angesehen hat: Alisa Joaquin & Familie, Alisa
und ihre Freundin Helen; Sandra Batchford, Muriel Emerling, Ashok Nair, Marc
Allan, Silke Ackermann und Léa Sonam mit Kwai Chang Bear.