im Januar 2005, London, Ontario





alles schaut zu „Mr. Money“





Der Tag war wundervoll, sonnig aber kalt, nicht wie der Tag zuvor, wo 15 cm Neuschnee in Toronto und London gefallen sind. Ich kam etwa 30 Minuten zu spät und es hatte sich bereits eine lange Schlange vor der Tür des Geschäftes gebildet. Ich entschied mich, nicht nach einer Toilette zu suchen, sondern mich sofort der Schlange von Leuten mit Samurai-Schwertern anzuschließen. Ich hatte nicht vergessen, wie es war, als ich bei der „Chiller-Expo“ in New Jersey vier Stunden anstand und nichts dabei herauskam. Dieser Event hier war aber sehr gut organisiert und wurde von einer Anzahl von Mitarbeitern betreut. Trotz all dem brauchte ich über eine Stunde um die Tür zu erreichen, an der immer nur zwei Personen gleichzeitig eingelassen wurden. Trotzdem war die Wartezeit in Ordnung. Eine Reihe von Geschäfte blockte den Wind, die strahlende Sonne wärmte unsere Gesichter und die Menschen um mich herum, waren alle sympatisch.

Zuerst war David von Bildschirmen verdeckt. Nachdem ich aber, um eine Ecke, zu einer neuen Schlange dirigiert wurde, habe ich ihn schließlich gesehen. Er saß lächelnd da, war lebhaft und saß mit dem Rücken zum Laden. Ich war so schüchtern, dass ich jedes Mal meinen Blick senkte, wenn David die wartenden Leute begutachtete. Bedauerlicherweise hatte ich dann nicht den Mut David zu fragen, ob er sich mit mir ablichten lässt. Und unglücklicherweise ist nur eines der zwei gemachten Bilder am Tisch gut geworden. Während ich wartete, interviewte eine junge Frau David. Als das Interview beendet war machte er den „Faust in offene Hand“ Shaolin-Gruß. Das war eine Überraschung; ich dachte der Gruß wurde nur für seine Rolle als Caine verwendet. Es schien eine passende Geste für die momentane Situation zu sein. Ich konnte mir nicht helfen und musste ein bisschen lächeln. David, der selbst ein wenig gelächelt hat, während er grüßte, warf einen Blick in die Richtung in der wir Wartenden standen. Ich spürte so etwas wie einen Augenkontakt als er kurz von Person zu Person sah, und dieses mal war ich in der Lage standfest zu bleiben.

Ich hätte es vorgezogen noch etwas mehr Zeit zu haben um mich zu sammeln, viel zu früh musste ich die bedeutenden Schritte machen - und stand alleine direkt vor David. Als ich ankam sagte ich „Ich bin von einem Fan-Club“. Es war nicht das „Hallo, ich fand Sie in Kill Bill großartig“, was ich eigentlich vorhatte zu sagen. Ich legte das Schwert auf den Tisch und reichte ihm eine Kopie des „Alisa“-Buches zum Unterschreiben (ein Geschenk für sie von mir). Dann gab ich seinem Agenten das „Hamburg“-Buch, das schließlich als ein Geschenk für David gedacht war. Beide Bücher bestehen aus einigen Seiten die jeweils einem individuellen Fan-Club-Mitglied gewidmet sind. Bei jedem dieser Mitglieder-Foto steht das Datum, der Ort und eine passende Überschrift zum jeweiligen Treffen. Ich hoffte, damit die Fans, für David etwas realer werden lassen.

David nahm das Alisa-Buch aus meiner Hand und betrachtete langsam jede Seite. Ohne aufzusehen fragte er, ich zitiere „Haben diese Leute das an Sie geschickt?“ Ich erwartete, dass David eine dröhnende theatralische Stimme hat, stattdessen sprach er leise und eindringlich, wie Caine. Dies machte mich auf unbequeme Weise darauf aufmerksam wie laut meine eigene Stimme ist. Ich antwortete so etwas wie „ja, und ich habe auch ein Hamburg-Buch für Sie“. Dann fragte ich mich ob er denkt, dass ich eine kleine alte Frau bin deren Hobby Cyberstalking ist. Erst später wurde mir bewusst, dass ich nicht die erste nervöse Person in seiner Nähe war.

Sein Agent, der das Hamburg-Buch ansah, begann zu lachen. Er betrachtete das Foto auf dem er und David gerade herumwitzelten und mochte die Bildunterschrift „David und Mr. Money hatten viel Spaß“. Silke erfand diesen Spitznahmen für ihn, den ich raffiniert fand und mit ihrer Erlaubnis benutze. So wie ich mich erinnere hat David, als ihm das Bild gezeigt wurde, leise geantwortet „na, schließlich bist du ein lustiger Kerl“. (Deshalb glaube ich auch, dass sich die Beiden gut verstehen und dass sie oft zusammen gelacht haben.) Dann folgte eine kurze Diskussion der Veranstaltungen in Deutschland und David bekam das Hamburg-Buch. Als er ein Bild von Lea sah, auf dem sie „Kwai Chang Bear“ hielt (ein handgemachtes Geschenk) sagte er spontan, dass den Teddy Bär jetzt eines seiner Kinder hat. (Ich denke, seine exakten Worte waren „ah ja, der Bär, ich habe ihn meiner sechs Jahre alten Tochter gegeben“.) Ich war erfreut das zu hören, Lea hatte mich gebeten herauszufinden was mit dem Geschenk passiert war. Ich antwortete mit „gut“. Was David gerade plötzlich gesagt hatte brachte mich dazu ihn mehr zu mögen. Sein Kommentar drückte seine Rücksicht und Aufmerksamkeit aus, Schätzung statt Ignoranz, und mir wurde klar, dass es ihm bestimmt eine Freude gewesen sein muss, den Bär seinem Kind zu geben.

Da David kürzlich geheiratet hat, lehnte ich mich vor, senkte meine laute Stimme und sagte ihm, „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Hochzeit“. Ich dachte es wäre nett, Wohlwollen für seine gute Zukunft auszudrücken. Er sah immer noch das Hamburg-Buch an und fragte: „Was?“ Sein Agent wiederholte ihm die Worte. (Obwohl Mr. Money mir nicht so nahe war wie David, war meine „leise“ Stimme, wie immer, sehr gut zu verstehen.) Mir wurde dann bewusst, dass ich anfing zu schwatzen, und dass da eine Schlange wartender Leute war, von denen die Meisten möglicherweise jedes Wort von mir hören konnten. Ich begann mein frisch unterschriebenes Schwert zu nehmen und zu gehen und ich hoffe ich sagte „Dankeschön“ – Mannieren gehen manchmal verloren wenn man gerade emotional auf einem hoch ist.

Mr. Money erinnerte mich an etwas, was ich in meiner Eile ganz vergessen hatte - ein unterschriebenes Bild des Filmes „The Long Riders“. Auf dem Bild ist David mit seinen Brüdern Keith und Robert zu sehen. Zusammen stellen sie die Younger-Brüder da, eine legendäre Bande von notorischen Wild-West-Bankräubern in Kansas City, wo ich als Kind zu Hause war. Als Kinder spielten meine Brüder und ich „Cowboys“, manche von uns spielten die Younger-Brüder, die bösen Buben (besonders Cole, weil wir seinen Namen mochten). David spielte in diesem Film Cole Younger, er hatte lange, raue Haare, einen mürrischen Blick und außerdem trug er einen großen Schnurrbart. Er war hier sicher nicht gerade eine Schönheit, aber deshalb mag ich das Bild. Die legendären Personen der alten Zeiten waren selten Hollywood-Schönlinge.

Ich verließ den Bereich so aufgeregt und glücklich, dass mir der Foto-Mann nachrennen musste, weil ich meine Kamera vergessen hatte. Ich hatte den ganzen restlichen Tag über überhaupt keinen Hunger mehr. Das hat mich überrascht, ich dachte ich würde mich normaler fühlen. Nun, es zeigt letztendlich, wie eine Mittwoch-Nachmittagsvorstellung dazu beitragen kann dein Leben zu beleben. Quentin, Uma, und ganz besonders „Bill“ - Ich liebe Euch! Ich schätze, dass ich David zu dieser Liste hinzufügen sollte, er gab uns, den Fans, so viel.

Als letztes möchte ich allen Menschen danken, die mir ihre Bilder geschickt haben und mir dadurch mit meinem Projekt geholfen haben. Das sind - in der gleichen Reihenfolge wie David sie angesehen hat: Alisa Joaquin & Familie, Alisa und ihre Freundin Helen; Sandra Batchford, Muriel Emerling, Ashok Nair, Marc Allan, Silke Ackermann und Léa Sonam mit Kwai Chang Bear.





© für den Bericht: Ann © for the report: Ann
© übersetzt von: Silke © translated by: Silke
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